vortrag der psychatrie baselland….

liebe mitglieder

wie ihr wisst, bin ich immer sehr interessiert daran, unser anliegen der öffentlichkeit näherzubringen.

heute gab sich dazu eine gute chance, welche ich nutzen konnte. im rahmen der öffentlichen vorträge 2017 der psychatrie baselland www.pbl.ch war angesagt:

psychisch krank und gefährlich? einblicke in die psychiatrische forensik

mit dem referenten dr. med. andeas frei, seines zeichens leiter fachstelle forensik und gutachter.

er stieg in den vortrag ein mit einem bild zu einer szene mit unserem HD Läppli, dem basler original, welches gerne die gesellschaft auf die schippe nahm…. das ist der Jooo Misli…. das publikum war belustigt. dann kam etwas mainstream mit dutroux und breivik… und eine episode aus andreas frei’s erfahrungen mit wie er es nannte “zum glück 2-3 prominenten fällen, davon 2 serienkiller”…. wohl ein medial inszenierter und dem publikum geschuldeter einstieg, vorbei an der ernsthaftigkeit des thema’s, aber später sehr interessant und mit einem abstecher zum forum romanum in rom, von wo sich scheinbar der begriff forensik ableitet.

sehr interessant seine erwähnung, dass er als gutachter dem auftraggeber – also zu mind. 99 % den behörden und gerichten – verpflichtet ist, den begutachtenden patienten also in die bedeutungslosigkeit abrutschen lässt. man könnte auch sagen: wer zahlt, befiehlt! und genau hier findet sich ein guter einstieg in die problematik der forensik, einem nirvana zwischen juristerei und psychiatrie, zwischen vollzugsbehörden und sozialarbeitern, zwischen sicherheitsleuten und anstaltsdirektoren, zwischen behörden und therapeuten….

alle diese menschen haben sich zusammen mit der gesellschaft und der politik eine industrie geschaffen, die es nun zu unterhalten gilt…. und die nach immer neuen begutachteten sogenannt schwer psychisch gestörten menschen giert… es wird heute dermassen inflationär präventiv eingesperrt wie wohl noch nie in der schweizer geschichte…. und dieses vorgehen ist ein grosses unrecht, welches angeprangert und verurteilt gehört!

wie wir wissen, darf der eingriff in die persönlichkeitsrechte eines menschen nicht unverhältnismässig sein – und doch verlängern die gerichte ohne skrupel strafen von 35 monaten in 11jährige massnahmen – es ist verrückt, wahnsinnig und inhuman… und doch scheint sich kaum jemand für diese ungerechtigkeit zu interessieren?! sogar herr andreas frei äusserst sich kritisch zum art. 59 StGB und bemängelte diesen als überstrapaziert – und er befand auch die lebenslängliche verwahrung als übertrieben, da die verwahrung nach art. 64 StGB heute derart repressiv und streng umgesetzt wird, dass diese sehr sicher ist.

zur prognosestellung meinte er: mit der erstellung einer prognose kann man nur verlieren! eine äusserst treffende und selbstkritische darstellung der eigenen arbeit… chapeau! und genau was auch ich erfahren habe. eine prognose kann eintreffen oder nicht, nur: mit der wahrheit hat eine solche absolut nichts zu tun. und doch werden aufgrund dieser prognosen aktuell hunderte von menschen präventiv in gefängnissen und gefängnisähnlichen anstalten eingesperrt – ein weiteres trauriges kapitel der schweizer geschichte! STOLZ kann ich auf diese schweiz längst nicht mehr sein – der (macht-)missbrauch ist zu gross, um noch glaubwürdig daher zu kommen! die schweiz hat längst verloren, nur das resultat ist scheinbar noch nicht allen bekannt.

herr andreas frei sagt auch, dass fehleinschätzungen möglich sind, dass es aber auch , Zitat: “unangenehm sei, bei rückfällen den eigenen namen in der presse lesen zu müssen”… ehrlicher kann man sich wohl nicht outen und seine eigene beeinflussbarkeit darlegen. zu guter letzt nannte er das verständnis für psychiatrische vorgänge bei den juristen minimal… was den schluss zulässt, dass die forensik nur versagen kann! der psychiater empfiehlt, und der jurist (richter, vollzugsbehörde etc.) setzt um… unwissend, wie der psychiatrische rat umgesetzt werden soll. diese vernetzung ist fatal und ungenügend.

noch einmal muss erwähnt werden, dass unbedingt darauf hingearbeitet werden muss, dass die juristerei und die psychiatrie nicht zusammenarbeiten kann und dass jede sparte seine eigenen ziele verfolgt. das panaschieren dieser ziele hinterlässt nur verlierer; betroffene, die sich – eingesperrt und hilflos, wie sie sind – ohnmächtig dem frust hingeben müssen, um dann mit medikamenten wieder erhellt oder ganz ruhiggestellt zu werden. ein unsägliches leiden geht mit einer massnahme einher, welches menschen bestimmt keine hilfe ist, und welches nicht einer besseren gesellschaft dienlich ist.

liebe mitglieder und liebe leser, nehmt euch dem thema an, rüttelt daran und bringt es an die öffentlichkeit. es darf nicht sein, was gerade geschieht – ES IST UNRECHT!

euer präsident romano schäfer

 

Ein Kommentar

  1. Zwar nicht zum Thema “Forensik”, aber doch aufschlussreich: Aus einem Interview mit Dr. Peter Schneider, Psychoanalytiker, Philosoph und Kolumnist in verschiedenen Zeitungen. In der Frage geht es um Psychoanalyse: “Die Psychoanalyse ist ein unstrukturiertes, unvorhersehbares und unoperationalisierbares Verfahren, das macht sie für die Krankenkassen zu einem schwierigen Feld. In der Psychoanalyse gibt es keine klaren ICD-Diagnosen. Die Patienten kommen mit Geschichten, die sie im Leben behindern, und es geht ihnen hinterher zwar bessser, aber eben nicht nach dem Schema ‘drei Stunden behandelt – Mutterbindung bearbeitet’.”
    (aus: Vivere 3/17).

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